Was ist mit Unku passiert? Sinti und Roma gestern und heute – Veranstaltungsreihe in Plauen Ausstellung, Gespräche, Vorträge, Fachworkshop

/ Projekte

Vorurteile, Hass und Gewalt gehören bis heute zu den alltäglichen Erfahrungen, die Sinti und Roma in Deutschland und ganz Europa machen. Ihre systematische Ausgrenzung und Schlechterstellung wird von großen Teilen der Mehrheitsgesellschaft nicht wahrgenommen. Zum Nichtwissen über die Lebensrealität von Sinti und Roma gehört auch, dass über den Völkermord, der unter NS-Herrschaft an ihnen in fast ganz Europa begangen wurde, nur wenig gesprochen wird. In einer kleinen Veranstaltungsreihe wollen wir das Thema Antiromaismus (Rassismus gegen Sinti und Roma) und die Lebenswelten von Roma auf unterschiedlichen Ebenen beleuchten. Gemeinsam wollen wir einen Raum schaffen, in welchem Begegnung stattfindet, Fragen zu aktuellen Themen in Plauen gestellt werden können und wir uns sensibilisieren für eigene Schubladen im Kopf. 

Alle Veranstaltungen finden in den Räumen des colorido e.V., Stauffenbergstraße 6 in Plauen/Vogtland statt.

Kooperationspartner: colorido e.V., Karo e.V., Bündnis gegen Rassismus – für ein gerechtes und menschenwürdiges Sachsen, Gruppe gegen Antiromaismus Dresden, riesa efau. Kultur Forum Dresden, Romano Sumnal, RomaRespekt, Roma Trial, Bildungswerk für Friedensarbeit der Deutschen Friedensgesellschaft 
Partnerorganisationen der Ausstellung: Belorussische Roma-Diaspora, Geschichtswerkstatt Leonid Lewin

Förderer: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Weltoffenes Sachsen, bpb (Ausstellung: Auswärtiges Amt)

UPDATE 16.11.2021

Die Ausstellung kann wegen der geltenden Coronamaßnahmen nur nach Voranmeldung besichtigt werden. Wir möchten unnötige Wartezeiten vermeiden, gerade auch für Schülergruppen. In unseren Räumen dürfen im Moment nur höchstens 15 Personen gleichzeitig sein, wir bitten daher um vorherige Absprache, Telefon: 03741/224188 mit AB oder kontakt@colorido.de. Vielen Dank für Euer Verständnis.

Ausstellung: 04. – 20.11.2021, Ignorierter Genozid: Völkermord an Roma in Belarus 1941 – 1944

Der Genozid der deutschen Besatzer an Roma ist weder im kollektiven Gedächtnis der belarussischen noch der deutschen Bevölkerung verankert. Dabei war die Ermordung von Roma ein elementarer Bestandteil des deutschen Vernichtungskriegs im Osten.

Im Rahmen einer deutschbelarussischen Kooperation wurden Überlebende interviewt und Orte von Massenerschießungen besucht. Die Ausstellung präsentiert die Ergebnisse dieses Projektes. Sie spiegelt die Erinnerung der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an die Verbrechen, die ihnen von den deutschen Besatzern angetan wurden und enthält historische Überblickstexte zum Ablauf des Völkermords, seiner Aufarbeitung und zum Thema Antiromaismus (Rassismus gegen Roma).

Thematisiert werden dabei Überlebensstrategien und Widerstand, Reaktionen der Mehrheitsbevölkerung und Erinnerungspolitik.

04.11.2021, 18.00 Uhr, Vernissage: Was ist mit Unku passiert? Zur Geschichte von Sinti und Roma in der DDR

Unku ist vielen Älteren, die in der DDR großgeworden sind, bekannt. Sie war die Begleiterin von Ede in dem Kinderbuch „Ede und Unku“ (Autorin Grete Weiskopf, Ersterscheinung 1931). Wenig bekannt ist die Geschichte ihrer Familie und, dass sie 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Ihre Familiengeschichte steht stellvertretend für die Verfolgungsgeschichte von Sinti und Roma.

Darüber, und über das Leben von vor allem Sinti in der DDR, wollen wir mit Juliane Grimm ins Gespräch kommen. Sie schrieb gemeinsam mit Janko Lauenberger, dessen Großmutter eine Cousine von Unku war, die Geschiche von Unku und ihrer Familie weiter. In der Lesung und im Gespräch, werden wir über das Leben von Sinti in der DDR sprechen, aber auch die vielen nicht erzählten Geschichten und das große Schweigen, die Verfolgungsgeschichte und ihre Aufarbeitung erwähnen.

Im Anschluss an den Vortrag wird die Ausstellung „Ignorierter Genozid: Völkermord an Roma in Belarus 1941 – 1944“ eröffnet und von Maria Ulrich vorgestellt.

Keine Anmeldung nötig.

VERSCHOBEN: 19.11.2021, 11.00 – 18.00 Uhr, Fachworkshop in Plauen: Bilder dekonstruieren – Sensibilisierungsworkshop zum Thema Rassismus gegen Sinti und Roma

UPDATE 16.11.2021: Liebe Interessierte an unserem Fachworkshop „Bilder dekonstruieren“,

Wir haben uns sehr über Ihre Anmeldung gefreut! Leider haben wir nun entschieden, dass wir den Workshop für Freitag absagen. Zum einen wegen der Pandemie und zum anderen, weil sich nicht so viele angemeldet haben wie erhofft. Im nächsten Jahr im März wollen wir es nochmals versuchen und auch nochmal mehr Energie in die Einladung von Entscheidungsträger*innen und Menschen aus der Sozialen Arbeit, Verwaltung etc. legen. Über den neuen Termin werden wir bald informieren.

20.11.2021, 14.00 Uhr, Finissage: Gemeinsam gut leben in Plauen

Sinti und Roma leben schon seit Jahrhunderten in Deutschland. Das ist vielen nicht bewusst.

Oft sind es Bilder von Armut und Zuwanderung, die vielen in den Sinn kommen. Diese einseitige Beschreibung ist gefährlich – und dennoch muss erzählt werden, warum viele europäische Roma in Armut leben: Viele Familien können Verfolgungsgeschichten über Generationen hinweg erzählen.

Über den Genozid an Roma im Nationalsozialismus ist wenig bekannt. Oft ist die Wanderschaft unfreiwillig, das Leben von Unsicherheit geprägt. Das gilt besonders für Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien. Aber auch Roma aus Mitteleuropa erfahren eine systematische Ausgrenzung, die es ihnen kaum ermöglicht, in ihren Heimatländern ein sicheres zu Hause für sich und ihre Familien aufzubauen. Einige von ihnen suchen ihr Glück in Deutschland – als Asylsuchende oder als EU-Arbeitnehmende in oft unsicheren Jobs.

Nach einer Einführung in die Geschichte von Roma und Sinti wollen wir mit dem Verein Romano Sumnal und der Gruppe gegen Antiromanismus ins Gespräch kommen und vor allem die Gründe für Migration näher beleuchten. Hierbei wird auch der Zuzug von Roma nach Sachsen thematisiert.

Anschließend: Gemeinsamer Austausch über die Ausstellung „Ignorierter Genozid: Völkermord an Roma in Belarus 1941 – 1944“ mit Maria Ulrich.

keine Anmeldung nötig

Für alle Veranstaltungen gilt: Bitte die aktuelle Corona-Verordnung beachten. 

Antidiskriminierungsklausel: Den Veranstaltenden ist ein respektvolles und diskriminierungsfreies Miteinander sehr wichtig. Störungen oder Beleidigungen führen zum Ausschluss aus der Veranstaltung. Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

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