Skip to content Skip to sidebar Skip to footer

„Friedens“-Kundgebung am Samstag in Plauen

Leider wird der Platz ums Wendedenkmal gerne mal für alle möglichen fragwürdigen Kundgebungen genutzt. Das ist sehr schade. Wir haben uns zur Links-Jugend gegenüber gesellt. Auch wenn nicht alle Transparente unseren Vorstellungen entsprechen, so muss man doch bei den jungen Leuten hinterfragen, was damit ausgedrückt werden soll. Das ist Dialog, das ist Zuhören, das ist Handeln unterstützen.

Zum Glück gibt es in Plauen diese jungen Menschen, die ein Aufbegehren wagen gegen das, was uns von der Friedensaktion Plauen-Vogtland als „Friedens“-Kundgebung vorgesetzt wurde.

Und die Reden, die dort gehalten wurden, lassen uns sprachlos zurück. Der Oberbürgermeister spricht davon, ob es „kriegsnotwendig war, dass niedere Gelüste, Rache und Vergeltung“ die Zerstörung unserer Stadt erforderlich machten. Da ist er wieder, dieser Opfermythos. Plauen war eine Täterstadt und wenn wir das nicht sichtbar machen, werden Menschen immer wieder diesem Opfermythos anhängen. Das kann auch wieder ins Verderben führen. Es darf nicht vergessen werden, dass Plauen einen konkreten Beitrag zum Auftakt des Terrors geliefert hat. Darüber sollte am 10. April gesprochen werden und nicht über „niedere Gelüste, Rache und Vergeltung“ und ob das kriegsnotwendig war.

Am 30. Januar 1933, übernahmen die Nationalsozialisten in Deutschland die Regierung. Sie etablierten eine terroristische Diktatur und entrechteten, verfolgten und ermordeten Millionen von Menschen.

Bei der Durchsetzung und Sicherung der nationalsozialistischen Herrschaft spielten die Konzentrationslager eine zentrale Rolle. In Plauen gab es mehrere Außenstellen und 13 500 Zwangsarbeiter.

Heute kennen viele Menschen die Namen der großen Konzentrations- oder Vernichtungslager wie Buchenwald oder Auschwitz, aber nur wenige haben schon einmal von frühen Konzentrationslagern gehört. Auch Plauen hatte solche frühen Lager. So wurde beispielsweise das Landgerichts- und Polizeigefängnis, das sich damals im Plauener Rathaus befand, als frühes Lager genutzt. In den ersten Monaten nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten waren hier mindestens 289 Menschen inhaftiert. Plauen ist auf der Landkarte der Gedenkzeichen an Orten früher Konzentrationslager ein weißer Fleck also ein Ort ohne Gedenkzeichen.

Entscheidend für den Erfolg der NSDAP, für die Mobilisierung und Bindung Tausender in Plauen, sind die öffentlichen Auftritte von Adolf Hitler, Joseph Goebbels und Robert Ley in der Stadt. Im Juni 1930 ist sie außerdem Schauplatz des ersten großen Gauparteitags der sächsischen NSDAP, 1932 erringt die Partei in Plauen die absolute Mehrheit.

Zwangsarbeit und Kriegsproduktion in Plauen – vielleicht sollte das Be-ACHTUNG und Aufarbeitung in den Reden auf einer Friedenskundgebung finden.

Auf jeden Fall ist FRIEDEN nicht mit der Friedlichen Revolution zu vergleichen. Wir haben tiefe grundlegende Prozesse in der DDR ändern wollen. Wo waren sie, Herr Oberbürgermeister in der Zeit des Umbruches 89 und am 7. Oktober 1989? In einer staatskonformen, schulischen Einrichtung, wo es jungen Menschen, die den Weg des sozialistischen Sportlers beschritten, sehr gut ging? Können sie sich einfühlen in die jungen Menschen, die wegen ihrer Überzeugung in Jugendwerkhöfen gelandet sind? Sie plappern immer nur vom Hero Plauen 89. Sie wärmen sich an der Asche, können kein Feuer mehr entfachen und nutzen Plauen 89 für sinnlose Vergleiche. Wir können es nicht mehr hören.

Herr Oberbürgermeister, Erinnerungskultur ist eine Aufgabe der Stadt, aber Geschichtsrevisionismus hat dort nichts verloren und manche Vergleiche hinken oder tun sogar sehr weh.

Wir sind auch überrascht, dass sie anprangern, dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Welcher Partei gehören sie an?

Wir erinnern auch an ihre Sätze während ihres Jahresempfanges. „Wir wollen in unseren Innenstädten keine maskulin aufgeladenen und latent gewaltbereiten Migranten, die in aller Öffentlichkeit glauben, ihre Dominanzkultur respektlos ausleben zu können.“ Das ist Rassismus, Diskriminierung und eine Behauptung. Ihre Abneigung gegen Migranten ist hinlänglich bekannt. Da war ihnen sogar die BILD-Zeitung als Medium gerade recht.

Wir arbeiten uns gerade an ihnen ab, weil wir ihre unsägliche Rede als Stadtoberhaupt auf so einer Veranstaltung nicht gutheißen können. Von den anderen Rednern haben wir nichts anderes erwartet, schließlich hören wir diesen Quark nicht zum ersten Mal. Es schaudert uns nur immer wieder, wenn von dem Russen die Rede ist, der ja keine andere Chance hat, wenn er im atomaren Gleichgewicht bleiben will – geht es bei einer Friedenskundgebung nicht um Frieden? Trump als „Friedensbringer“, von dem man jetzt leider ein wenig enttäuscht ist. Was hat man denn erwartet, dass der Ukraine-Krieg wirklich in zwei Wochen nach seinem Amtsantritt erledigt sei. Was gibt es an Trump zu relativieren, nach Grönland, Venezuela, Iran, Kuba… überall sterben unter dem amerikanischen Deckmantel Menschen, die in Kriege verwickelt werden.

Dieser Kriegstreiber wird von unserer Regierung mit Balsam eingeschmiert und auf dieser Friedenskundgebung werden seine Taten relativiert.

Wir haben uns gefreut, dass es doch einige gab, die ihre Peace-Fahne nach spätestens der Rede von Herrn Lösche eingepackt haben und nach Hause gegangen sind. Richtige Entscheidung. Wir haben zugehört bis zum Schluss, um ein wenig darüber zu schreiben und vielleicht den ein oder anderen zum Nachdenken anzuregen. Aber auch uns war zum Kotzen zumute.

Anstehende Veranstaltungen