Gedenken an die Novemberpogrome in Plauen in Zeiten des stetig wachsenden Antisemitismus

/ Mitteilungen, Presse

„Es gibt ja keine aufrechten, authentischen Antisemiten, die sich dazu bekennen. Das ist ja nicht legitim. Das heißt also, dass wir damit beschäftigt sind, mit einer Rhetorik des Verdachts zu arbeiten…
..Wenn Sie etwa annehmen, dass etwas antisemitisch ist, aber von den Sprechern wird das anders gesehen. Dann müssen die Aussagen als antisemitisch rekonstruiert und dekonstruiert werden, was dann von der anderen Seite wiederum entrüstet abgelehnt wird. Und was macht man dann? Dann kann man schreiben, dass jemand ein Antisemit ist und die andere Seite schreibt, dass das eine Hetzkampagne und damit delegitimierend sei.“
Nathan Szneider in einem Interview zum Auftakt der Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus 2022/ Amadeu Antonio Stiftung
https://www.belltower.news/interview-vorher-waren-es-rechte-die-antisemitisch-waren-jetzt-teile-des-linken-milieus-139815/

Noch am vergangenen Sonntag waren solche Worte wieder ganz öffentlich auf dem Podest des sogenannten „Forum für Demokratie und Freiheit“ vor ca 1600 Menschen unter Getose in Plauen zu hören. Am Rande sind ständig die Stimmen zu vernehmen, die meinen „man dürfe nichts mehr sagen“, „man wolle die Proteste mundtot machen“, „man wolle spalten“.
Konkret erkenne man keinen Hass oder Hetze.
Kein spürbarer Aufschrei erfolgt.
Nur was sind das sonst für verquere Anschauungen, wenn sich doch laut und deutlich gegen „Globalisten, Bilderberger und Finanzeliten“ und weiter gg Schutzsuchende, namentliche Politiker:innen, Pressevertreter:innen und anderer Menschen Lebensfreiheiten ausgesprochen wird?
[https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/publikationen/nwo-zog-und-globalisten-deconstructantisemitism/]

Und woher sollte ein klares allgemeingültiges Bekenntnis auch kommen? Wenn die Verschiebung des Sagbaren ständig mehr Raum als der Widerspruch gegen Unsagbares erhält? Wenn diese Anfeindungen seit Jahren im digitalen und öffentlichen Raum drastisch zunehmen?! Wenn sich statt mit jüdischem Leben und Antisemitismus oft nur an solchen Tagen mit starrer Gedenkkultur befasst wird?

Nie wieder!
Diese Worte können in Zeiten der wachsenden Gewalt nur mit Schmerzen über die Lippen gehen.

Herr Landrat, bleiben sie deshalb standhaft gegenüber Anfeindungen und Verklärungen von demokratischen Spielregeln. Gerade auch in Zeiten von berechtigter Kritik und Protesten können und müssen diese eingehalten werden.

Liebe Plauenerinnen und Plauener, informiert euch und widersprecht!

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Freie Presse vom 10.11.2022:

Der Plauener Demokratieverein Colorido erinnerte im sozialen Netzwerk Facebook ebenfalls an die Pogromnacht von 1938 und zog direkte Vergleiche in die Gegenwart. Noch am vergangenen Sonntag seien von einem Podest in Plauen vor 1600 Menschen antisemitische Reden verbreitet worden und kein spürbarer Aufschrei erfolgte, heißt es auf der Seite des Vereins. Auf Nachfrage der „Freien Presse“ sagte Vereinschefin Doritta Kolb-Unglaub dazu: „Und wenn sich dann Jugendliche auf unseren Fußballplätzen mit ‚Du Jude!‘ beschimpfen – und das passiert tatsächlich – , dann müssen wir doch handeln“, so Kolb-Unglaub. „Colorido arbeitet deshalb schon länger eng mit der Amadeu-Antonio-Stiftung zusammen und bietet Workshops an, die sich die Jugendlichen durchaus selbst von uns wünschen.“ Die Stiftung, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus einsetzt, trainiere mit den Jugendlichen etwa Argumentationsstrategien.

„Diese Aufgaben, ebenso wie Erinnerungskultur, werden Pflicht, wenn ein sogenanntes Forum für Demokratie und Freiheit in Plauen nationalsozialistische Reden schwingt“, sagte Kolb-Unglaub.

https://www.freiepresse.de/vogtland/plauen/nach-antisemitischen-reden-im-vorfeld-plauener-gedenken-reichspogromnacht-und-mahnen-artikel12537981

In diesem Jahr konnten wir aufgrund eines anderen wichtigen Termins nicht an den Gedenkfeierlichkeiten teilnehmen.

Plauen, 10.11.2022

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